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  • Cas Roman

Der weite Weg eines Buches

Wie mein erstes Buch erst nach acht anderen Bücher das wurde, was es sein sollte. Und was kein Verlagsvertrag geschafft hat.


der weite weg eines buches vom verlag ins selfpublishing

Es ist ja so eine Sache mit Verlagen. Die einen schwören darauf, die anderen wollen nichts von ihnen wissen. Ich stehe dieser Debatte zwiegespalten gegenüber, denn meine ersten beide Bücher sind in einem kleinen Verlag erschienen. Mittlerweile sind alle Verträge aufgelöst bzw. ausgelaufen, was für mich einen ziemlich befreienden Effekt hatte.


Man glaubt es kaum, aber 6 Days to Whisky war tatsächlich mein erstes Buch, das ich jemals geschrieben habe und das auch in einem Verlag untergekommen war – damals natürlich noch unter einem anderen Titel und anderem Autorenname. Es war ein Experiment, sowohl für mich als auch für meine Verlegerin, denn für uns beide war es das erste Buch. Rückblickend würde ich mich als naiv und unwissend bezeichnen. Aber es war dennoch der Beginn eines sehr buchigen Abenteuers und der Auftakt in meine Autorenkarriere.


Jeder Autor, der einen Verlagsvertrag unterschreibt, tut das mit gewissen Erwartungen. Doch ich wage hier mal zu behaupten, dass diese weit von der Realität entfernt sind. Hat man nicht gerade den Jackpot gewonnen – heisst: großer Publikumsverlag, der einen als Goldesel sieht und so sehr pusht, dass der Bestseller auf sicher ist –, wird man sehr schnell von der Wahrheit eingeholt. Kleine Verlage haben kein Budget für Werbung und deren Bücher schaffen es auch selten in die Regale der Buchhandlungen. Und dann geht ein Teil des Erlöses ja auch noch an den Verlag.


Dafür, dass man ein Verlagslogo auf dem Buchcover hat, bekommt man also kaum etwas zurück.

Da es das erste Buch war, das meine Verlegerin veröffentlichte, war der Vertrag auf 5 Jahre befristet. Lustigerweise freute ich mich bereits nach 2,5 Jahren darauf, dass das Buch in absehbarer Zeit bald wieder aus den Shops verschwinden würde, denn ich konnte nicht mehr länger dahinterstehen. Ohne, dass ich es jemals wieder gewagt hätte, darin zu lesen, wusste ich:


Was ich da geschrieben habe, ist furchtbar schlecht.

Das war meine Wahrheit. Ich wusste das – niemand sonst, denn der Absatz war sehr überschaubar. Im Zeitraum von 5 Jahren wurden nicht mehr als zwanzig Bücher verkauft – vielleicht auch ein bisschen mehr, aber das macht auch keinen unterschied mehr. Damals war mir noch nicht bewusst, dass ich selbst die Werbetrommel rühren musste, und so ist das Buch mehr oder weniger in der Versenkung verschwunden. Tja, so läuft das mit Büchern – dachte ich zumindest.


Währenddessen hatte ich ins Fantasy Genre gewechselt. Dass ich die Rabentrilogie verlagsunabhängig veröffentlichen wollte, war zwar nicht von Anfang an klar, doch ich verstand sehr schnell, dass kaum ein Verlag eine unbekannte Autorin unter Vertrag nehmen würde, die gleich mit einer Trilogie auffährt.


Das erste Mal liebäugelte ich mit dem Selfpublishing und erkannte, dass ich damit sowieso viel besser aufgestellt war. Als frischgebackene Fantasyautorin und dazu auch noch Selfpublisher war ich mehr oder weniger selbst überrascht, wie gut das alles lief. So gut, dass ich mich nicht einmal davor scheute, erneut das Genre zu wechseln und den Vertrag meines zweiten Romans, den ich im selben Verlag veröffentlicht hatte, aufzulösen. Kurzerhand überarbeitete ich das Buch und veröffentlichte es als Gay Romance unter neuem Titel.


Die Zahlen und meine Vorgehensweise bestätigte mich erneut darin, dass ich im Selfpublishing richtig war. Tatsächlich hatte ich bereits vor der Veröffentlichung mehr Vorbestellungen als Verkäufe über die letzten fünf Jahre im Verlag. Was man drüber denken mag, sei mal dahingestellt.


Tatsächlich hatte ich bereits vor der Veröffentlichung mehr Vorbestellungen als Verkäufe über die letzten fünf Jahre im Verlag.

Ein weiteres Gay Romance Buch erschien, und als ich die Idee hatte, einen Textschnipsel aus meiner aller ersten Veröffentlichung zu posten, wagte ich es nach Jahren wieder einmal, meinen Erstling in die Hand zu nehmen. Ich war darauf gefasst, dass es so grauenhaft schlecht war, dass ich mich geradezu mental darauf vorbereiten musste. Doch zu meiner eigenen großen Überraschung fand ich mich kurz darauf auf der Couch wieder und konnte das Buch nicht mehr weglegen.


Was ich da las, war gar nicht so furchtbar, wie ich erwartet hatte. Es war sogar an manchen Stellen richtig gut. Klar, an vielen Stellen brauchte es eine Grundsanierung, aber selbst diese Zeilen hatten mir richtig Freude bereitet, sie zu lesen. Sofort war klar: Das Ding wird umgeschrieben!


Und so war Projekt "Six" geboren. Der Rest ist Geschichte. Oder vielleicht doch nicht ganz?


Was ich mir als verlagsunabhängige Autorin selbst bewiesen habe, ist, dass der weite Weg eines Buches mit der Veröffentlichung erst richtig beginnt. Das hört sich vielleicht selbstverständlich an, aber bei meinen Verlagsbüchern war das leider nicht so.


Ein Verlagslogo auf dem Buchcover bedeutet überhaupt nichts. Es macht die Geschichten zwischen den Buchdeckeln nicht besser als die von verlagsunabhängigen Büchern.

Auch in Verlagen wird nur mit Wasser gekocht. Dabei kam mir sogar schon zu Ohren, dass Autoren Lektoren zugewiesen wurden, die direkt von der Uni kamen und noch überhaupt keine Erfahrung vorzuweisen hatten. Klar, irgendwann muss jeder mal anfangen und auch als Indie-Autor kann man bei der Auswahl der Lektoren ins Fettnäpfchen treten, aber das zeigt nur einmal mehr, dass noch lange nicht alles Gold ist, was glänzt.




©casroman




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